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Samstag, 11. September 2010

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Montag, 10.05.2004

"Die Startbahn in Tempelhof wäre ideal für Skater"

Stephan Imm fordert seit vier Jahren mit Demonstrationen mehr Rechte für Rollschuhfahrer

Von Ulrich Paul

Herr Imm, Sie wollen Inline-Skates als Verkehrsmittel anerkannt wissen. Fahren Sie mit den Dingern dann auch zur Arbeit?

Früher habe ich das getan. Da habe ich in Mitte gearbeitet. Jetzt arbeite ich in Charlottenburg, das ist ein bisschen weit von meiner Wohnung in Prenzlauer Berg. Ansonsten benutze ich Skates vor allem in der Freizeit und fahre zum Beispiel zum Brandenburger Tor. Aber das ist auch nicht sehr lustig, weil Inline-Skater ja jetzt noch auf dem Fußweg fahren müssen.

Aber nach Plänen des Bundesverkehrsministeriums sollen Kommunen künftig geeignete Radwege und Fahrbahnen für Inline-Skater freigeben dürfen .

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber Fahrradwege sollten generell freigegeben werden. Und darüber hinaus müssen wir viel mehr erreichen: in kleineren Straßen, in Tempo-30-Zonen, müssen Inline-Skater auch die Möglichkeit haben, auf der Straße zu fahren.

In allen Tempo-30-Zonen?

Ja, grundsätzlich sollte man alle diese Zonen freigeben, auch wenn sich manche wegen des Kopfsteinpflasters nicht eignen. Aber es kann sich ja jeder Skater überlegen, ob er die Straße benutzen will.

Haben Sie da keine Angst, dass es zu vielen Unfällen mit Autos kommt?

Selbstverständlich kann es zu Problemen kommen. Aber da appelliere ich an die Verantwortlichkeit jedes Inline-Skaters. Es ist völlig klar: Anfänger gehören nicht auf die Straße. Anfänger müssen erst mal das sichere Skaten erlernen, vor allem das Bremsen. Es sollte auch kein Muss sein, die Straße zu benutzen. Wenn man das nicht möchte, sollte man immer noch die Möglichkeit haben, auf den Gehweg auszuweichen.

Dort gehören Skater ja offiziell auch hin - schließlich werden sie rechtlich wie Fußgänger behandelt.

Das kann ich nicht verstehen. Skater bewegen sich schließlich viel schneller als Fußgänger.

Wenn es nach Ihnen ginge, würden Sie ja für Skater sogar ganze Straßen freigeben - welche denn?

Das einfachste wäre, das Regierungsviertel in den verkehrsarmen Zeiten am Abend und am Wochenende freizugeben. Es liegt zentral und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Straßen sind neu asphaltiert, die Umgebung ist attraktiv und ich könnte mit gut vorstellen, dass man da auch eine Bude aufbaut und Eis oder Würstchen verkauft. Weiterhin hätte man die Möglichkeit, die Entlastungsstraße, die nach der Eröffnung des Tiergartentunnels nicht mehr gebraucht wird, für Skater bestehen zu lassen. Dann gibt es den Flughafen Tempelhof, der geschlossen werden soll. Die Startbahn in Tempelhof wäre ideal für Skater.

Aber gibt es nicht schon genug Flächen für Skater?

Nein, es gibt viel, viel zu wenig Flächen - eigentlich gibt es nur Touren außerhalb Berlins oder am Kronprinzessinnenweg. Bis man mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin kommt, dauert es lange und auf Skates in der Stadt zu fahren, macht wegen der vielen gepflasterten Hofeinfahrten keinen Spaß.

Aber nur für Skater kann Berlin doch jetzt nicht alle Gehwege umbauen?

Nein, Berlin ist ein armes Land, das weiß jeder. Aber wir wollen, dass man auf die Bedürfnisse der Inline-Skater Rücksicht nimmt, wenn Wege oder Straßen neu gestaltet werden. Wir fordern, dass sich die Politik überlegt, wie solche Wege künftig aussehen könnten und was man vor Hauseinfahrten anders machen könnte.

Gibt es denn eine besondes skater-freundliche Stadt, die als Vorbild für Berlin dienen könnnte?

Nein, so eine Stadt kenne ich leider nicht.

Aber Sie geben die Hoffnung offenbar auch nicht auf, dass Berlin skater-freundlicher wird. 70 bis 80 Berlinparaden haben sie seit dem Jahr 2000 schon veranstaltet...

Ja, und wir haben auch was erreicht mittlerweile. Eine Forderung war, dass es mehr Straßen gibt für Inline-Skater. Da wurden vor zwei Jahren fünf Straßen geöffnet. Es waren nicht die schönsten, deswegen wurden sie auch nicht so angenommen von den Skatern - aber mehr war nicht zu erreichen. Leider sind diese Straßen mittlerweile nicht mehr für Inline-Skater geöffnet. Aber wir arbeiten weiter in diese Richtung.

Auch weiterhin mit Hilfe der regelmäßig stattfindenden Berlinparade - die offiziell als Demonstration angesehen wird?

Ja, wir machen weiter. Und wir sind auch eine Demo. Wir verteilen Flugblätter, tragen Transparente und es gibt auch immer eine Zwischenkundgebung. Dort sage ich jedes Mal etwas zu unseren Forderungen.

Man könnte die Skater-Demo aber auch als sportliche Freizeitbeschäftigung bezeichnen.

Wir sind eine Demonstration, daran ist nicht zu rütteln. Das hat auch die Versammlungsbehörde eingesehen, die vor drei Jahren versucht hatte, uns zu blockieren. Da wollte man unsere Anmeldungen nicht mehr bestätigen, weil man meinte, wir wären eine Spaßveranstaltung. Daraufhin haben sich dann jeden Freitag Skater so getroffen und sind losgefahren. Dann wendete sich das Blatt wieder - und die Behörde erkennt uns nun wieder als politische Demonstration an.

Das Gespräch führte Ulrich Paul.


Dieser Artikel erschien in der Berliner Zeitung am Montag, den 10.05.2004.

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