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Mittwoch, 8. September 2010

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Die Berlinparade im Jahr 2002

Aug. 2008 - Von Lutz Matscholl / Kerstin Schmitt

Als Auftakt für das Jahr 2002 starten wir am Ostersonntag, den 31. März. Das hat nichts zu tun mit dem Eiersuchen. Im langen Winter hat sich nun eine Regierung gebildet, aber an der Situation der Skater im Straßenverkehr hat sich nichts geändert. Es ist also nach wie vor nötig für die Rechte der Inlineskater zu demonstrieren.

Schon am 12. April hatten wir vor, unsere Forderungen zum Minister zu bringen. Leider mussten wir die Demo wegen Regens absagen. Safety first: Sicherheit geht vor. Daher am 10. Mai 2002 der 2. Versuch. Der Verkehrminister ließ verkünden, er wolle die StVO, die Straßenverkehrsordnung klarer und bürgernäher formulieren. Die Richter am BGH haben den Bedarf einer Änderung der StVO festgestellt und angemahnt. Das gibt Hoffnung auf eine neue, bedarfsgerechte Novellierung des Gesetzes.
Jedoch gibt es Gerüchte aus dem Verkehrsministerium, wonach man nun einfach, um der Forderung der Richter nachzukommen, die Liste im § 24 Abs.1 der besonderen Fortbewegungsmittel (Fußgänger) von "Schiebe- und Greifreifenrollstühle, Rodelschlitten, Kinderwagen, Roller, Kinderfahrräder ..." um Inline Skates, oder allgemein um Rollschuhe erweitern wolle. Das bedeutet praktisch ein Verbot der Inliner im öffentlichen Straßenverkehr. Eine solche Regelung wäre weder bedarfsgerecht, noch bürgernah!

Aus diesem Grunde haben wir noch einmal unsere Forderungen auf Papier geschrieben und bringen Sie mit einem netten, freundlichen Anschreiben persönlich zum Ministerium.
Hier ist unser Brief an den Minister zu lesen und am 8. Juni 2002 kam folgende Antwort.
Der Weg führt uns am 10. Mai in einer großen Schleife durch Kreuzberg, Friedrichshain, nach Mitte zum Verkehrsminister. Dort übergeben wir dem Pförtner unseren Umschlag. Dieser versichert, ihn ordnungsgemäß weiterzuleiten. Anschließend geht es über Moabit, Charlottenburg, Wilmersdorf zurück zum Ausgangspunkt.


Bei der Pfingstparade vom 20. Mai 2002 bringen wir unsere Forderungen dort auf die Straße, wo wir von vielen Berlinern und deren Besuchern gesehen werden. Das ist Berlin-Mitte mit seinen historischen Bauwerken und der Flaniermeile Unter den Linden. Dazu zählt der Ku-Damm genauso wie das Neue Berlin am Potsdamer Platz. Die Vorbereitung war etwas schwierig, Karneval der Kulturen, Radrennen Tour-de-Berlin und anderes mehr mussten koordiniert werden. Doch letztlich hat alles hervorragend geklappt. Auch die Beach-Bar war wieder am Platz, um die Skater mit dem nötigen Wasser zu versorgen.



ADFC-Fahrrad-Sternfahrt 2002
Wie jedes Jahr hatte der ADFC, der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club, auch dieses Jahr wieder zu der Großen Fahrrad-Sternfahrt aufgerufen. Wie in den Jahren zuvor haben sich auch viele Inlineskater den Termin im Kalender vorgemerkt. In all den Jahren zuvor waren die "Schnell-Schuh-Läufer" zwar nicht ausdrücklich eingeladen worden, jedoch von den Organisatoren stillschweigend geduldet und bei den vielen Teilnehmern gern gesehene Gäste.

Doch dieses Jahr werden die Veranstalter der Berlinparade kurzfristig aufgefordert, "...Wir müssen Sie darauf hinweisen, dass die Veranstaltung im Sinne des Versammlungsrechts ausschließlich als Fahrradkorso angemeldet ist. Eine Teilnahme als Fußgänger, Autofahrer oder Inlineskater ist leider nicht möglich. Die Polizei hat gegenüber dem ADFC angekündigt, keine Skater im Demonstrationszug zu dulden. Eine Sperrung der Autobahnabschnitte ist ausschließlich für den Fahrradkorso genehmigt. Ein Verstoß gegen diese Auflagen hätte auch für den ADFC und die Sternfahrt erhebliche negative Folgen. Ich muss Sie daher auffordern, unverzüglich alle Ihre Veröffentlichungen dahingehend zu ändern..."

Da wir den Veranstalterwunsch respektieren, die rechtlichen Drohungen in der Kürze der Zeit nicht einschätzen können, entschließen wir uns erst mal, die Ausladung auf unseren Internetseiten und bei der Berlinparade bekannt zu geben, obwohl wir dazu nicht verpflichtet sind.

Dennoch sind auf der Sternfahrt auch dieses Jahr sehr viele Skater mitgefahren und wurden von der Polizei und den Ordnern auch nicht behelligt.



Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr wiederholt die Berlinparade die Demonstration, auf der es andersrum geht. Einen Tag nach dem Christopher Street Day (CSD), auf dem Schwule und Lesben für Toleranz und Gleichberechtigung demonstrieren, wirbt die Berlinparade am 23. Juni 2002 für Toleranz und Gleichberechtigung für Skater. Die Gruppe der Skater wächst kontinuierlich. Gleichwohl wird das Skaten von Politikern und Parteien immer noch als Trendsportart oder gar als Beschäftigung mit Spielzeug abqualifiziert und Skater als Randgruppe abgetan. Wir wollen der CSD-Parade keine "Konkurrenz" machen. Das können wir gar nicht. Wir wollen allerdings das lesbisch- schwule Wochenende um eine weitere Facette bereichern.

Drei mal in Folge musste die Berlinparade ausfallen wegen Regens. Wie begossene Pudel standen Veranstalter und Organisator im Regen auf dem Platz und mussten absagen, wahrlich kein Spaß. Wir dachten schon, es werde dieses Jahr überhaupt nix mehr. Am 10. November - das Datum klingt eher nach einem grauen trüben Regentag - war Petrus mit uns Skatern gnädig. Ca. 150 Skaterinnen und Skater finden sich ein. Noch mal drei/vier Hände voll Leute kommen von der Seite hinzu. Der neu renovierte Pariser Platz hat uns einen würdigen Rahmen gegeben, unsere Forderungen in Erinnerung zu rufen.



Fast schon traditionell ist unsere Jahres-Abschluss-Parade in der Weihnachtszeit. Engel, Weihnachtsmänner, Nikoläuse und andere Weihnachtsgestalten fanden sich am 1. Dezember 2002 auf Rollen zu einer stimmungsvollen Fahrt ein. Wir treffen uns am Wittenbergplatz, weil unser gewöhnlicher Startplatz durch einen Weihnachtsmarkt belegt ist. Die schnellsten Weihnachtsmänner Berlins besuchten einige Weihnachtsmärkte um die Berliner auf die Inlineskater aufmerksam zu machen.


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