
Die Berlinparade im Jahr 2002
Aug. 2008 - Von Lutz Matscholl / Kerstin Schmitt
Als
Auftakt für das Jahr 2002 starten wir am Ostersonntag, den
31. März. Das hat nichts zu tun mit dem Eiersuchen. Im
langen Winter hat sich nun eine Regierung gebildet, aber an der
Situation der Skater im Straßenverkehr hat sich nichts
geändert. Es ist also nach wie vor nötig für die
Rechte der Inlineskater zu demonstrieren.
Schon am 12. April hatten wir vor, unsere
Forderungen
zum Minister zu bringen. Leider mussten wir die Demo wegen Regens
absagen. Safety first: Sicherheit geht vor. Daher am 10. Mai 2002
der 2. Versuch. Der Verkehrminister ließ verkünden, er
wolle die StVO,
die Straßenverkehrsordnung
klarer und bürgernäher formulieren. Die Richter am BGH
haben den Bedarf einer Änderung der StVO
festgestellt und angemahnt. Das gibt Hoffnung auf eine neue,
bedarfsgerechte Novellierung des Gesetzes. Jedoch gibt es Gerüchte
aus dem Verkehrsministerium, wonach man nun einfach, um der Forderung
der Richter nachzukommen, die Liste im § 24 Abs.1 der besonderen
Fortbewegungsmittel (Fußgänger) von "Schiebe- und
Greifreifenrollstühle, Rodelschlitten, Kinderwagen, Roller,
Kinderfahrräder ..." um Inline Skates, oder allgemein
um Rollschuhe erweitern wolle. Das bedeutet praktisch ein Verbot der
Inliner im öffentlichen Straßenverkehr. Eine solche
Regelung wäre weder bedarfsgerecht, noch bürgernah!
Aus diesem Grunde haben wir noch einmal unsere Forderungen
auf Papier geschrieben und bringen Sie mit einem netten, freundlichen
Anschreiben persönlich zum Ministerium. Hier ist unser Brief
an den Minister
zu lesen und am 8. Juni 2002 kam folgende Antwort.
Der Weg führt uns am 10. Mai in einer großen Schleife
durch Kreuzberg, Friedrichshain, nach Mitte zum Verkehrsminister.
Dort übergeben wir dem Pförtner unseren Umschlag. Dieser
versichert, ihn ordnungsgemäß weiterzuleiten. Anschließend
geht es über Moabit, Charlottenburg, Wilmersdorf zurück zum
Ausgangspunkt.
Bei
der Pfingstparade vom 20. Mai 2002 bringen wir unsere
Forderungen dort auf die Straße, wo wir von vielen Berlinern
und deren Besuchern gesehen werden. Das ist Berlin-Mitte mit seinen
historischen Bauwerken und der Flaniermeile Unter den Linden. Dazu
zählt der Ku-Damm genauso wie das Neue Berlin am Potsdamer
Platz. Die Vorbereitung war etwas schwierig, Karneval der Kulturen,
Radrennen Tour-de-Berlin und anderes mehr mussten koordiniert werden.
Doch letztlich hat alles hervorragend geklappt. Auch die Beach-Bar
war wieder am Platz, um die Skater mit dem nötigen Wasser zu
versorgen.
ADFC-Fahrrad-Sternfahrt
2002 Wie jedes Jahr hatte der ADFC, der Allgemeine Deutsche
Fahrrad Club, auch dieses Jahr wieder zu der Großen
Fahrrad-Sternfahrt aufgerufen. Wie in den Jahren zuvor haben sich
auch viele Inlineskater den Termin im Kalender vorgemerkt. In all den
Jahren zuvor waren die "Schnell-Schuh-Läufer" zwar
nicht ausdrücklich eingeladen worden, jedoch von den
Organisatoren stillschweigend geduldet und bei den vielen Teilnehmern
gern gesehene Gäste.
Doch
dieses Jahr werden die Veranstalter der Berlinparade kurzfristig
aufgefordert, "...Wir müssen Sie darauf hinweisen, dass
die Veranstaltung im Sinne des Versammlungsrechts ausschließlich
als Fahrradkorso angemeldet ist. Eine Teilnahme als Fußgänger,
Autofahrer oder Inlineskater ist leider nicht möglich. Die
Polizei hat gegenüber dem ADFC angekündigt, keine Skater im
Demonstrationszug zu dulden. Eine Sperrung der Autobahnabschnitte ist
ausschließlich für den Fahrradkorso genehmigt. Ein Verstoß
gegen diese Auflagen hätte auch für den ADFC und die
Sternfahrt erhebliche negative Folgen. Ich muss Sie daher auffordern,
unverzüglich alle Ihre Veröffentlichungen dahingehend zu
ändern..."
Da
wir den Veranstalterwunsch respektieren, die rechtlichen Drohungen in
der Kürze der Zeit nicht einschätzen können,
entschließen wir uns erst mal, die Ausladung auf unseren
Internetseiten und bei der Berlinparade bekannt zu geben, obwohl wir
dazu nicht verpflichtet sind.
Dennoch
sind auf der Sternfahrt auch dieses Jahr sehr viele Skater
mitgefahren und wurden von der Polizei und den Ordnern auch nicht
behelligt.
Nach
dem großen Erfolg vom letzten Jahr wiederholt die Berlinparade
die Demonstration, auf der es andersrum geht. Einen Tag nach dem
Christopher Street Day (CSD), auf dem Schwule und Lesben für
Toleranz und Gleichberechtigung demonstrieren, wirbt die Berlinparade
am 23. Juni 2002 für Toleranz und Gleichberechtigung für
Skater. Die Gruppe der Skater wächst kontinuierlich. Gleichwohl
wird das Skaten von Politikern und Parteien immer noch als
Trendsportart oder gar als Beschäftigung mit Spielzeug
abqualifiziert und Skater als Randgruppe abgetan. Wir wollen
der CSD-Parade keine "Konkurrenz" machen. Das können
wir gar nicht. Wir wollen allerdings das lesbisch- schwule Wochenende
um eine weitere Facette bereichern.
Drei
mal in Folge musste die Berlinparade ausfallen wegen Regens. Wie
begossene Pudel standen Veranstalter und Organisator im Regen auf dem
Platz und mussten absagen, wahrlich kein Spaß. Wir dachten
schon, es werde dieses Jahr überhaupt nix mehr. Am 10.
November - das Datum klingt eher nach einem grauen trüben
Regentag - war Petrus mit uns Skatern gnädig. Ca. 150
Skaterinnen und Skater finden sich ein. Noch mal drei/vier Hände
voll Leute kommen von der Seite hinzu. Der neu renovierte Pariser
Platz hat uns einen würdigen Rahmen gegeben, unsere Forderungen
in Erinnerung zu rufen.

Fast
schon traditionell ist unsere Jahres-Abschluss-Parade in der
Weihnachtszeit. Engel, Weihnachtsmänner, Nikoläuse und
andere Weihnachtsgestalten fanden sich am 1. Dezember 2002 auf
Rollen zu einer stimmungsvollen Fahrt ein. Wir treffen uns am
Wittenbergplatz, weil unser gewöhnlicher Startplatz durch einen
Weihnachtsmarkt belegt ist. Die schnellsten Weihnachtsmänner
Berlins besuchten einige Weihnachtsmärkte um die Berliner auf
die Inlineskater aufmerksam zu machen.
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